Waisenhaus entstand vor 300 Jahren

"MDCCXXII"

2024 feiert die Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam 300-jähriges Jubiläum. Wer aber in der Breiten Straße auf die Front des früheren Waisenhauses schaut, sieht dort die römischen Buchstaben „MDCCXXII“, also 1722. Ein Schreibfehler? Keineswegs, denn der Grundstein für das Gebäude wurde vor 300 Jahren gelegt.

Nach dem Vorbild der „Franckeschen Stiftungen“, die ein Waisenhaus in Halle betrieben, beschloss Friedrich Wilhelm I., in Potsdam „seiner Grenadier- und Soldaten-Kinder“ ein eigenes Waisenhaus zu errichten. Das Baumaterial dafür kam per Schiff über die Havel und dann den Stadtkanal entlang, der genau vor der Baustelle vorbeifloss. Ziegelsteine und Bauholz stammten überwiegend aus einheimischen Manufakturen. Der preußische König schenkte dem Haus das gesamte Baumaterial per Erlass.

Zunächst erbauten die Handwerker damals einen großen Flügel in der heutigen Dortustraße. Hinzu kamen zwei kleinere Flügel in der Spornstraße und der Breite Straße, sodass das Waisenhaus ursprünglich eine U-Form aufwies. Zwei Jahre später, anno 1724, zogen erstmals 110 Jungen in das Ensemble ein, die Gründung der Stiftung war vollzogen. Die Zahl der Bewohner dieses für die damalige Zeit besonderen Hauses, das neben Versorgung auch noch Bildung versprach, wuchs in den folgenden Jahren rasch.